Dr. Friedrich Eisenhaber

Ex dem Unkraut (?)

Vor ca. 7 000 –10 000 Jahren war die Menschheit in vielen Gebieten der Erde so gewachsen, dass das Jagen von Tieren und das Sammeln von Pflanzen zur Ernährung nicht mehr ausreichten. Der Anbau von Pflanzen schaffte neue Bedingungen.. Die Menschen bauten einige Pflanzen an und stellten sich auf eine mehr einseitige Ernährung ein. Um hohe Erträge zu erreichen, erzeugten sie durch Pflügen, Graben, Hacken, und später durch das Versprühen von Substanzen sowie andere Aktivitäten konkurrenzarme Flächen für die angebauten Pflanzen. Mit dem Anbau veränderten sich die Pflanzen  relativ schnell. Durch unbewusste bzw. bewusste Auslese und heute durch gezielte genetische Eingriffe entstanden z.T. neue Unterarten der benutzten Pflanzen, die vor allem höhere Erträgen lieferten, aber z.T. nicht ausreichend konkurrenzstark gegen bestimmte Wildpflanzen waren und sind. Die ackerbaulichen Maßnahmen förderten gleichzeitig (meist) unbewusst oder bewusst eine Auslese der auf den Flächen wachsenden Wildpflanzen (Unkräuter). Heute sind Unkräuter vorhanden, die trotz intensiver Bekämpfung auf den Äckern und in Gärten gedeihen.  

Das bewusste Ausmerzen der Wildpflanzen hat in der Geschichte des Ackerbaus unterschiedliche Merkmale gehabt. Im Mittelalter verminderten sich die Erträge z.T. erheblich, da der Kreislauf der Nährstoffe und der Verlust der Nährstoffe durch die Ernten nicht ausreichend bekannt war. Mit der Dreifelderwirtschaft (ein Jahr unbestellter Acker, es konnten sich Wildkräuter entwickeln) wurde eine gewisse Fruchtbarkeit gefördert. Zum Ausgang des Mittelalters verbreiteten sich dann Maßnahmen der organischen und mineralischen Düngung.

Die Unkräuter bedrängen die Kulturpflanzen, indem sie ihnen u.a. Licht, Wasser und Nährstoffe entziehen und damit den erwünschten Ertrag vermindern. Gleichzeitig bedecken sie den Boden, schützen ihn vor zu starker Sonnenbestrahlung, schließen Nährstoffe und Spurenelemente auf und geben bei ihrer Zersetzung viele Nährstoffe frei. Außerdem  stimulieren die Wurzeln vieler Wildpflanzen das Wachstum der Kulturpflanzen. Wildpflanzen (Unkräuter) werden vielfach als Anzeiger des Bodenzustands und zur Bodengesundung genutzt. Vogelmiere und Franzosenkraut zeigen z.B. einen garen Boden an. Die Brennnesselpflanze fördert die Humusbildung im Boden. Unkräuter können auch Nährstoffe und Spurenelemente im Boden aufschließen und bei ihrer Zersetzung für die Kulturpflanzen freisetzen. Der Anbau von Zwischenfrüchten nutzt diese Eigenschaften. Allerdings werden heute für den Zwischenfruchtanbau neben den frei auflaufenden Unkräutern auch vielfach Kulturpflanzen eingesetzt (z.B. Senf, Raps, Bienenfreund). Einige Zwischenfrüchte verbessern die Bodenqualität erheblich. Studentenblumen und Ringelblumen vertreiben z.B. Nematoden. Eine grundsätzliche Verurteilung und Vernichtung der Unkräuter sollte vor allem im Kleingarten nicht erfolgen. Ein gesunder Kompromiss zwischen Kulturpflanzanbau und vor allem Samenunkräuter ist anzustreben. 

Unkräuter werden vielfach in Wurzel- und Samenunkräuter eingeteilt. Die heute wachsenden Samenunkräuter sind u.a. durch eine schnelle Entwicklung bis zur samenreifen Pflanze und durch eine hohe Samenproduktion gekennzeichnet. Die Samen werden meist durch den Wind, durch andere Pflanzenteile oder durch Bodenbewegungen (z.B. Humusauftrag) verbreitet. Die Samen können z.T.  einige Jahre im Boden keimfähig lagern. Bei günstigen Bedingungen entwickeln sie sich in kurzer Zeit, wachsen sehr schnell als einzelne Pflanzen zwischen den Kulturpflanzen heran oder bilden geschlossene Bestände. Durch Jäten, Hacken, Grubbern, Herbizideinsatz u.a. Aktivitäten werden sie für kurze oder längere Zeiten beseitigt. Einige Kulturpflanzen (z.B. Kartoffeln, Mais) unterdrücken im ausgewachsenen Zustand die weitere Entwicklung auch der Wurzelunkräuter. Ihre geschlossene Blätterdecke lässt kein Licht zu den  Unkräutern durch.  

Samenproduktion einiger Unkräuter:

Acker-Hellerkraut 2 000 – 40 000 Giersch                    3 000
Acker-Winde                  500 Knöterich-Arten          800 – 1 000
Beifuss           200 000 Löwenzahn                    5 000
Franzosenkraut               5 000 Vogelmiere      2 000 – 15 000

Wurzelunkräuter können sich durch Samen und durch in der Erde befindlichen Sprossausläufer vermehren. Ihre sehr stark überlebensfähigen Speicherwurzeln, tief reichenden Pfahlwurzeln, Rhizome oder Wurzelausläufer sind eine besondere Grundlage ihrer Ausbreitung. Die bei Bodenarbeiten entstehenden kleineren Teile der Pflanzen wachsen bei günstigen Bedingungen zur vollen Pflanze aus. Viele Wurzelunkräuter sind schwer zu entfernen, da ihre Wurzeln tief im Boden ankern, viele Nährstoffe gespeichert haben und ein hohes Regenerationsvermögen besitzen. Regelmäßiges Entfernen der oberirdischen Teile schwächt die Pflanze, führt aber nicht immer zur vollen Erschöpfung.

Relativ unkrautfreie Flächen erzielt man durch eine Bedeckung des Bodens mit Stroh, Grasabfällen, Holz- und Baumrindenschnitzeln (Mulchen). Das deckende und sich zersetzende Material schützt den Boden und die Bodenlebewesen vor zu starker Sonneneinstrahlung, harmonisiert die Bodentemperatur, verringert die Verdunstung des Wassers, gibt bei der Zersetzung Nährstoffe ab und fördert die Humusbildung. Beim Einsatz von stark zellulosehaltigen Materialien (z.B. Holz-, Baumrindenschnitzel) wird bei der Zersetzung viel Stickstoff gebunden. Eine Stickstoffgabe ermöglicht dann trotzdem ein gutes Wachstum der Kulturpflanze. Bei stark verkrauteten Flächen schließen Lagen von Zeitungs- oder Packpapier mit einer Auflage von Mulch die Lichtzufuhr für das Unkraut völlig ab. Meist können die Flächen nach einigen Monaten wieder in normale Kultur genommen werden. Unkräuter in Sträuchern sind durch dicke Mulchschichten zu beseitigen. Durchwachsende Unkrautteile sind sofort zu entfernen. In einzelnen Fällen ist auch der Einsatz von dickeren und lichtundurchlässigen Folien für eine gewisse Zeit zu vertreten. In die Folie müssen aber in gewissen Abständen Löcher eingestanzt werden, damit das Regenwasser durchdringen kann.

Kulturpflanzen mit flach wachsenden Wurzeln (z.B. Erdbeeren, Himbeeren) bringen bei Mulchsauflagen höhere Erträge, da die flach verlaufenden Wurzeln seltener unter Wassermangel zu leiden haben und weniger durch das Hacken in ihrer Entwicklung gestört werden. Eine dicke Mulchschicht in Erdbeerreihen ermöglicht die Ernte von schmutzfreien Früchten. Der Einsatz von chemischen Unkrautvernichtern sollte im Kleingarten nicht erfolgen. Wildpflanzen in gepflasterten Wegen können u.a. durch Ausstechen, aber auch durch Besprühen mit verdünnter Essiglösung beseitigt werden. Essig wird im Boden schnell abgebaut. Bei starker Verbreitung von Unkräutern in Grasflächen muss unter Umständen über den Einsatz von Mitteln nachgedacht werden, die nur Zweikeimblättler vernichten und das Gras (Einkeimblättler) verschonen..  

Hinweise zu einigen Unkräutern:

Ackerkratzdistel und Ackerwinde erreichen große Wurzeltiefen. Auch kleinere Stücke der Pflanze sind beim Graben oder Hacken zu entfernen. Dicke Mulchschichten oder ein übergestülpter größerer Blumentopf mit verschlossenem Wasserabflussloch lässt jede Pflanze innerhalb einiger Wochen verhungern. 

Giersch bildet ein reich verzweigtes, flach ausuferndes Ausläufersystem. Es erreicht Tiefen von ca. 60 cm. Durch Jäten können viele Sprossteile entfernt werden. Die beste Bekämpfung in Hecken erfolgt durch dicke Mulchschichten mit dem ständigen Entfernen aufkeimender Sprossteile.

Gundermann hat lange kriechende und wurzelbildende Ausläufer. Er ist durch Jäten bzw. im Rasen durch Harken oder Vertikutieren zu entfernen.

Löwenzahn hat lange Pfahlwurzeln, die im lockeren Boden bei jüngeren Pflanzen leicht zu entfernen sind. Im Rasen müssen die Wurzeln ausgestochen werden. Sehr flach abgestochene Wurzeln wachsen zu neuen Pflanzen heran.

Moose  haben keine Wurzeln. Sie nehmen das Wasser und die Nährstoffe mit der gesamten Pflanzenoberfläche auf. Mit kleinen Sprossausläufern halten sie sich an der Unterlage fest. Sie besiedeln feuchte und stark bzw. weniger stark belichtete Flächen. Auf freien Flächen lassen sie sich durch Hacken entfernen. Im Rasen vermindert ein dichter Grasbestand das Aufkommen von Moos. Kleinere Moosflächen können ausgeharkt oder vertikutiert werden. Eisendünger zerstört die Moospflänzchen.

Die Quecke verbreitet sich durch Samen und über die flach liegenden unterirdischen Ausläufer aus. Auch kleinere Bruchstücke der Ausläufer treiben wieder aus. Pflanzen mit dichter Beschattung (z.B. Kartoffel) und dicke Mulchschichten entziehen dem Unkraut das Licht und tragen zur Vernichtung bei.