Eisenhaber, Friedrich

September und Oktober – zeigen sie sonnige Tage?

Die kürzer werdende tägliche Belichtungszeit und die sinkenden Temperaturen veranlassen die heimischen Pflanzen, sich auf den Winter vorzubereiten. Die Pflanzen stoppen den Zuwachs, festigen aber die im Sommer gebildeten Zweige durch Verholzung, bilden die angelegten Knospen weiter aus (oft durch Anlagen oder Weiterentwicklung der Blüten) und verringern mit dem Sinken der Durchschnittstemperaturen langsam den Stoffwechsel. Die noch grünen Blätter produzieren weiterhin Stoffe (z.B. Zucker, Eiweiße), die als Reserven für die neue Vegetationsperiode und gleichzeitig als Frostschutz in die überwinternden Organe (z.B. Blätter, Wurzeln) eingelagert werden. Die lange Stoffwechselaktivität im Herbst ist eine gute Voraussetzung für eine hohe Frostbeständigkeit und für einen guten Start ins neue Frühjahr. Wenn Pflanzen durch Pilze oder andere Schädlinge ab Mitte August bzw. Anfang September viel Blätter verlieren (z.B. einige Kirschen, Pflaumen, Rosen) haben sie bedeutend weniger Nährstoffe eingelagert, sind z.T. weniger frostbeständig und bringen einen minderen Ertrag im nächsten Frühjahr. Günstig ist dann oft die Suche nach Sorten, die eine höhere Pilztoleranz besitzen.

Im Garten überwinternde Pflanzen dürfen ab Ende Juli keinen Stickstoffdünger (z.B. Hornspäne, Blaudünger) mehr erhalten, da der Stickstoffdünger die Eiweißbildung und damit den Neuwuchs anregt, der nicht mehr ausreichend winterhart werden kann. Gaben von kaliumhaltigem Dünger fördern dagegen die wachsende Winterfestigkeit der Gewächse. So bauen z.B. der Rasen, die Erdbeeren, die Obstbäume, die Beerensträucher, Rosen und andere Pflanzen mit einer Kaliumgabe eine erhöhte Winterfestigkeit und einen sicheren Austrieb im Frühjahr auf.

Bei vielen Pflanzen sind andere Bedingungen in der Wintervorbereitung zu beachten. Erdbeeren müssen z.B. bis zum Anfang September eine ausreichende Blatt- und Wurzelmasse aufgebaut haben. Sie entwickeln dann durch den Gehalt an Nährstoffen und durch eine Tageslichtlänge unter 12 Stunden die Blüten für das kommende Frühjahr. Mitte bis Ende Oktober sind zwischen die Erdbeerreihen in Abständen von 20 cm Knoblauchzehen zu stecken. Die Knoblauchzehen entwickeln die Blätter im Frühjahr. Die Pflanzen vermindern im Sommer den Pilzbefall der Erdbeerfrüchte.

Auch die winterharten im Frühjahr blühenden Zwiebelgewächse sind in den Monaten September/Oktober zu setzen. Sie bilden im warmen Boden die Wurzeln aus und werden durch die sinkenden Bodentemperaturen (unter 4°C) zur Blütenbildung und zum Austreiben der Sprosse angeregt. Schon Mitte Dezember können in einzelnen Fällen die Tulpensprosse an der Erdoberfläche sichtbar sein. Sie können sich aber bis zum Frühjahr nicht wesentlich weiter entwickeln, da die Bodentemperatur zu niedrig ist. .

Der September ist ein guter Pflanzmonat. Der warme und oft ausreichend feuchte Boden begünstigt das Wachstum der Wurzeln. Die kühle Luft verringert die Verdunstung. Bäume und Sträucher sowie einige Staudenblumen haben jetzt noch ausreichend Zeit zum Einwurzeln. Die Wurzelballen der Pflanzen sind vor dem Pflanzen ins Wasser zu stellen bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Die Wurzeln von wurzelnackten Pflanzen gehören einige Stunden ins Wasser, damit sie sich richtig voll saugen können. Rhabarberstauden müssen nach 8 bis 10 Jahren verpflanzt werden. Die Pflanzgrube ist ca. 20 cm tiefer zu lockern als der Wurzelballen in die Erde reicht. Die Knospen der Rhabarberpflanze befinden sich nach dem Pflanzen ca. 5 cm unterhalb der Erdoberfläche. Die Plauzgrube ist mit Humus anzureichern und ausreichend zu bewässern.  

Auch die Anlage neuer Rasenflächen ist in dieser Zeit vorteilhaft. Ältere Rasenflächen können durch eine Bearbeitung mit einem Vertikutierer von Grasschnitt, Laub und z.T. vom Unkraut befreit und oberflächlich belüftet werden. Mit einem Distelstecher lassen sich Wurzelunkräuter (z.B. Disteln, Löwenzahn) beseitigen. Durch das Ausbringen von Rasensaat erhalten auch ältere Rasenflächen nach einem intensiven Vertikutieren wieder ein gutes Aussehen.

Viele Staudenblumen müssen nach einigen Jahren im Herbst geteilt und an einen anderen Standort verpflanzt werden, um im nächsten Jahr voll zu blühen. Die Staude hat im Laufe des Wachstums eine große Dichte erreicht, so dass sich die Wurzeln bzw. Stängel gegenseitig im Wachstum behindern. Durch eine  Teilung und das Verpflanzen an einem neuen Standort blühen die Stauden in alter Schönheit. Folgende Pflanzen sollten aber besser im Frühjahr verpflanzt werden: Annemone, Prachtspiere, Taglilie, Tränendes Herz, Margariten und Phlox.

Die kräftigen Setzlinge der Zweijahrsblumen kommen jetzt an die vorgesehenen Plätze (z.B. Bartnelken, Fingerhut, Nachtkerze, Silberling, Stiefmütterchen, Tausendschönchen). Chrysanthemen, Gräser u.a. Pflanzen mit hohlen Stängeln sind im Herbst nicht zu schneiden. Die Triebe dienen als Winterschutz und als Zierde (z.B. mit Schneelast). Nach dem Schneiden füllen sich die Stängel mit Wasser, was die Pflanze bei Frost leicht zerstören kann. Sommerrittersporn, Goldmohn, Ringelblume, Kornblume, Jungfer im Grünen und einige andere Pflanzen können noch ausgesät werden. Sie überstehen den Winter oft auch ohne Schutz und blühen bedeutend früher.

Die Samen vieler Sommerblumen (z.B. Edelwicken, Fuchsschwanz, Goldlack, Malve, Ringelblume, Schmuckkörbchen, Sonnenblume, Spinnenpflanze, Tagetes) sind noch zu ernten. Nach ausreichender Trocknung können sie als Saatgut für das kommende Frühjahr oder als Vogelfutter für den Winter genutzt werden. 

Herbstgemüse (z.B. Rettiche, Rote Beete, späte Möhren, Porree, Sellerie) wachsen bei ausreichender Wasserzufuhr noch beträchtlich. Bei Gaben von flüssigem oder gelöstem Dünger mit einem Anteil an Stickstoff (z.B. Blaudünger) können die Pflanzen die Nährstoffe gut aufnehmen und verarbeiten. Auch flüssige Auszüge aus reifem Humus werden intensiv genutzt. Wärmeliebende Gemüse (z.B. Bohnen, Kopfsalat, Kürbis, Rote Beete, Tomaten, Zucchini, Rote Beete) sind kurz vor dem Frost ernten. Andere Gemüsearten vertragen kurzfristig –4 bis –5°C (z.B. Blumenkohl, Brokkoli, Knollenfenchel, Chinakohl,  Kohlrübe, Möhre, Porree, Zichoriensalat). Einige Pflanzen (z.B. Möhre, Porree) können z.T. mit einem leichten Frostschutz (z.B. Stroh zwischen den Reihen) längere Zeit im Garten verbleiben und bei Plusgraden geerntet werden. Wenn sich bis Mitte September beim Rosenkohl nicht ausreichend Röschen entwickelt haben, sind die Triebspitzen auszubrechen. Die Rosenpflanze konzentriert dann das Wachstum auf die Blattachseln und fördert das Röschenwachstum. 

Um die Bodengesundheit zu erhalten bzw. zu erhöhen sind die frei werdenden Flächen sind im September mit Buchweizen, Futtererbsen, Roggen, Phacelia (Büschelschön), Senf, Serradella, Winterwicke u.a. Pflanzen zu bestellen. Die Pflanzen beschatten den Boden, nehmen viele Nährstoffe auf (verhindern z.B. das Auswaschen von löslichem Stickstoffdünger durch den Regen) und reichern den Boden mit Humus an. Die Pflanzen können kurz vor dem Frost oder besser als Pflanzenruinen im Frühjahr untergegraben werden. Ab Mitte bis Ende September ist die Aussaat von Winterroggen (käuflich in Reformhäusern) vorteilhaft. Die Roggenkörner keimen und wachsen bei geringen Plusgraden (bis +2°C). Günstig ist auch das Abdecken des nicht bewachsenen Bodens mit grobem Kompost oder Mulch.

Bei einigen Pflanzen ist noch eine Stecklingsvermehrung noch möglich. Buchsbaum, Kletter- und Spindelstrauch, Scheinzypresse u.a. bewurzeln sich bis zum Sommer in Anzuchterde an einem schattigen Platz. Daturien (Stechapfel), Fuchsien, Pelargonien u.a. Pflanzen lassen sich mit Hilfe von Stecklingen in Anzuchterde an einem hellen und mäßig warmen Standort überwintern.

Die feuchte und kühlere Witterung begünstigt Pilzerkrankungen auch bei Zimmer- und Kübelpflanzen. Vor dem Einräumen ins Winterquartier sind sie auf Schädlinge zu überprüfen. Alle Kübelpflanzen sind ab September durch geringere Wasserzufuhr auf die Winterzeit vorzubereiten. Besonders Kakteen und sukkulente Pflanzen erhalten im September vor dem Einräumen sehr wenig Wasser. Günstig ist die Unterbringung der Kübelpflanzen vor dem Einräumen unter einem Regenschutz.

Die Nistkästen sind von den vorhandenen Nistmaterialien zu befreien. Stark verschmutzte Kästen dürfen nicht mit Reinigungsflüssigkeiten, sondern nur mit heißem Wasser gesäubert werden. Laub- und Reisighaufen an Hecken und unter Bäumen werden gerne von Nützlingen angenommen. Je mehr Versteck- und Nahrungsmöglichkeiten die Vögel und andere Tiere im Winter im Garten vorfinden, umso sicher bleiben sie auch im Sommer im Garten.