Dr. Friedrich Eisenhaber

Kompost – Gesundheit für den Boden

Kompost (lateinisch compositum, wörtlich „zusammengesetzt“) entsteht aus vielen organischen Stoffen, die auf natürliche Weise zersetzt und zur Bodenerneuerung genutzt werden.

Zur Kompostierung können viele Garten-, Pflanzen- und Küchenabfälle (z.B. Gemüseabfälle, Obst, Eierschalen, Kaffeesatz), Blumenerde u.a. eingesetzt werden. Hygienisch nicht einwandfreie Materialien, die z.B. Schadstoffe freisetzen, den Rotteprozess stören sowie Ratten anlocken können, dürfen nicht auf den Kompost kommen. Dazu zählen u.a. auch verschimmelte Küchenabfälle, farbig bedrucktes Hochglanzpapier, Staubsaugerbeutelinhalte, Pflanzenteile mit Bakterien-, Pilz- und Viruserkrankungen (z.B. Teile mit Asternwelke, Wurzelfäule bei Erdbeeren, kranke Blumenzwiebeln). Unbedenklich sind aber z.B. Früchte mit Moniliafäule sowie mit Braunfäule befallene Tomaten u. Kartoffeln, wenn eine ausreichende Abdeckung erfolgt.

Die Zersetzung der Stoffe wird durch Kleinlebewesen bewirkt, die auch vielfach im Boden leben. Zu den Kleinlebewesen gehören z.B.:

·        Bakterien: Sie stellen ca. 80 % der Masse der Lebewesen im Komposthaufen dar und zersetzen vor allem frische Abfälle.

·        Hefe, Strahlen- und Schimmelpilze: Sie zersetzen vor allem pflanzliche Anteile (z.B. Holz).

·        Springschwänze: Sie ernähren sich von Pflanzen- und Tierteilen sowie von Exkrementen.

·        Regen- und Kompostwürmer: Sie fressen Erde und vermoderte Pflanzenteile mit den anhaftenden Bakterien, Einzellern und Pilzen und scheiden den wertvollen Ton-Humus-Komplex aus.

·        Larven von Rosenkäfern und von anderen Insekten: Sie zersetzen morsches Holz und fressen angerottete Pflanzenteile. Rosenkäferlarven leben ca. 5 Jahre im Kompost.

Bei der  Zersetzung der zu kompostierenden Stoffe werden 3 Phasen unterschieden: 

1. Abbauphase: Bakterien und Pilze bauen die leicht abbaubaren Kohlenhydrate und Eiweiße ab. In der ersten Woche entstehen bei einer einmaligen Einlagerung größerer Mengen (z.B. 80 bis 120 Liter) Temperaturen zwischen 50 und 70°C. Im Eintraggut enthaltene Samen, Keimlinge und viele Schaderreger werden durch die Wärme abgetötet. Beim allmählichen Befüllen entwickeln sich örtlich begrenzt Temperaturen um 45°C. Bei diesen Temperaturen werden viele Samen und Schaderreger nicht zerstört.

2. Umbauphase: Die leicht zersetzbaren Stoffe werden weiter abgebaut und schwer zersetzbare Stoffe (z.B. Holz) angegriffen. Bei Temperaturen zwischen 30 und 40°C dauert die Phase ca. 2 bis 3 Wochen.

3. Aufbau- und Reifephase: Bei Temperaturen um 20°C zersetzen in den folgenden 6 Wochen Springschwänze, Asseln, Tausendfüßler, Kompostwürmer u.a. Organismen viele weitere Bestandteile und vermischen alles. Die Restbestandteile und die Ausscheidungen der Zersetzer bilden z.T. die wertvollen Ton-Humus-Komplexe. Durch Pilzhyphen und Schleimstoffe verschiedener Organismen werden kleine Krümel beformt. Der Kompost wird dunkel. Die in den Krümeln enthaltenen Huminsäuren entfalten z.T. eine hohe Beständigkeit und fruchtbarkeitssteigernde Eigenschaften im Boden. Bei Zugabe von Gesteins-, Ton- und Kalkmehlen in der Umbau- und Reifephase erhöht sich der Anteil von Krümeln, die die Fruchtbarkeit der Böden längere Zeit entscheidend prägen. 

Nach ca. 10 Wochen ist bei guten Bedingungen ein Grobkompost entstanden, der als Mulchmaterial eingesetzt werden kann. In einem halben bis einem Jahr reift der Kompost bei guten Bedingungen weiter aus. Der ausgereifte Kompost kann dann direkt als Pflanzerde oder oberflächlich als Bodenverbesserer eingearbeitet werden.    

Um die Zersetzung im Kompost zu beschleunigen, kann beim Ansetzen eines neuen Haufens immer etwas Grobkompost oder gut verrotteter Kompost gleichmäßig mit verteilt werden. Die im Handel angebotenen Kompostbeschleuniger enthalten in vielen Fällen leicht zu zersetzende Stoffe und Mikroorganismen. Sie bewirken einen ähnlichen fördernden Effekt wie Zusätze aus der eigenen Kompostentwicklung.

Zu einer effektiven Umsetzung benötigen die Kleinlebewesen neben den zu verarbeitenden Stoffen u.a. Sauerstoff, Wasser und einen Wärmeschutz. Sauerstoff (Luft) erhalten sie durch eine lockere Lagerung des Einfüllgutes. Um die entstehende Wärme für die Umsetzung zu erhalten, sind schützende Behälter mit einer Vorderwand günstig, die entsprechend der Füllung erhöht werden kann. In bestimmten Abständen ist zu prüfen, ob der Wassergehalt des eingelagerten Gutes ausreichend ist. Bei Bedarf ist das Gut anzufeuchten (angefasst muss es sich feucht anfühlen) und bei zu dichter Lagerung zu lockern. Freie Kompostmieten sind stark der Witterung ausgesetzt, geben leicht die Wärme ab und trocknen oberflächlich aus. Sie haben vor allem bei größeren Kompostmengen ihre Bedeutung.

Das zerkleinerte Material kann auch zur Flächenkompostierung verwendet werden. Bei der Flächenkompostierung (Mulchen) werden mehrere Ziele verfolgt. Neben einer Bodenverbesserung durch die freigesetzten Nährstoffe werden die flach wachsender Wurzeln einiger Gewächse (z.B. Erdbeeren, Himbeere) geschützt und Unkräuter am Wachsen gehindert.

Bei der Füllung des Kompostbehälters ist auf eine Mischung der Bestandteile zu achten. Die Kleinlebewesen benötigen zur effektiven Umsetzung ein Verhältnis von etwa 25 Teilen Kohlenstoff zu einem Teil Stickstoff im Einfüllgut. Mit Hilfe der Stickstoffverbindungen bauen sie die Kohlenstoffverbindungen um, ernähren sich und erzeugen u.a. die gewünschten Huminsäuren. Bei gut zerkleinertem und ausreichend feuchtem Einfüllgut können sie die Kohlenstoff- bzw. Stickstoffverbindungen verschiedener Materialien gleichzeitig nutzen. Das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis ist beim Einfüllgut sehr unterschiedlich (vgl. Tabelle). Durch Gabe von Stickstoffverbindungen (z.B. Hornmehl) und eine gezielte Füllung kann das Verhältnis ausgeglichen und die Zersetzung beschleunigt werden. So kann auch geschreddertes Holz relativ gut abgebaut werden.  Im gut ausgereiften Kompost ist ein Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von 10:1 vorhanden.

 

Kohlenstoff

Stickstoff

Brennnessel, Beinwell

7

1

Unkräuter

9

1

Rasenschnitt

13

1

Gemüseabfälle

15

1

Baumschnitt, Stroh

100

1

Papier

1000

1

Der Kompost ist als Dünger nur oberflächlich zu nutzen. Er wird eingeharkt bzw. bei Neupflanzungen im oberen Bereich des Pflanzloches genutzt. Ein gut entwickelter Kompost setzt im 1. Jahr ca. 40-50 %, im zweiten Jahr 30-40 % und im 3. Jahr die Restmengen der Nährstoffe frei. Der durchschnittliche Gehalt des Komposts an Nährstoffen beträgt bei Stickstoff 0,7 %, bei Phosphor 0,3 % und bei Kalium 0,3 %. Daneben sind viele andere Nährstoffe und wichtige Spurenelemente enthalten, die im intensiv genutzten Gartenboden viel von den Pflanzen genutzt werden. Die bodenstabisierende Wirkung des Komposts (z.B. Lockerung des Bodens, Erhöhung der Wasserspeicherung, Bindung und Freisetzung von Nährstoffen) kann längere Zeit vorhalten.

Der Kompostplatz sollte möglichst schattig bis halbschattig (z.B. hinter Sträuchern) liegen, damit die Sonne den Kompost nicht zu stark austrocknen und erwärmen kann. Kompostbehälter bzw. Kompostmieten müssen stets auf gewachsenem Boden angelegt sein, damit die Bodenorganismen ungehindert ein- bzw. auswandern können und das Sickerwasser abfließen kann. Eine Unterlage aus Kaninchendraht verhindert das Eindringen von Wühlmäusen.