Eisenhaber, Friedrich                                                                                                                                  Dresden, Februar 2011

Schnitt von Obstbäumen u. Beerensträuchern

Schnittzeitpunkt: Die günstigste Zeit zum Schneiden sind Monate, in denen die Pflanzen voll im Wachstum sind bzw. bald mit den Wachsen beginnen. Traditionsgemäß erfolgt das Schneiden oft in den Herbmonaten nach der Ernte. In dieser Zeit bereiten sich aber die Pflanzen auf den Winter vor, reduzieren den Stoffwechsel und werfen die Blätter ab. Die beim Schnitt entstehenden Wunden bleiben bis zum Frühjahr offen und bieten vielen Krankheitserregern (z.B. Pilzen) Möglichkeiten zur Infektion. Günstig ist deshalb die Verlagerung größerer Schnitte auf den Winter bzw. das Frühjahr oder auf den Sommer (vgl. Übersicht).

Günstige Schnittzeitpunkte:

 

Februar

März

April

Juni

Juli

August

September

 
Apfel

X

X

 

 

 

X

 

 
Birne

X

X

 

 

 

X

 

 
Kirsche

 

 

 

 

X

X

 

 
Pfirsich

 

X

 

 

 

 

 

 
Pflaume/Zwetschge

X

X

 

 

 

 

 

 

Der Sommerschnitt erfolgt, nach der Ernte der Früchte bzw. wenn sich die Knospen mit den Blüten für das kommende Jahr voll entwickelt haben (z.B. Mitte bis Ende August, s. Tabelle). Der Sommerschnitt ist eine Wachstumsbremse für den Baum. Dabei sind sich überlappende und sich beschattende Zweige sowie die überflüssigen, nicht voll verholzten Wassertriebe zu entfernen. Die Krone wird besser belichtet und durchlüftet. Der Schnitt stärkt die Entwicklung der verbleibenden Früchte und der sich für das nächste Jahr entwickelnden Blütenknospen. Die Baumentwicklung beruhigt sich durch die geringere Blattmasse. Der Alternanz (dem jährlichen Wechsel von starkem und geringem Fruchtertrag) kann vorgebeugt werden. Die Wunden schließen sich schnell, da das Gehölz mit den Vorbereitungen auf den Winter beginnt. Beim Schnitt sind die unteren Partien der Krone besonders zu fördern, damit die oberen Teile kein Übergewicht gewinnen. Der Sommerschnitt kann bei allen Bäumen und Sträuchern durchgeführt werden. Bei Süß-, Sauerkirschen, Beerenobst und Pfirsichen ersetzt er vielfach den Winterschnitt. 

Der Winter- bzw. Frühjahrsschnitt kann ab Februar erfolgen, sollte aber nicht bei Temperaturen unter + 4°C durchgeführt werden. Der Schnitt regt das Wachstum, bes. das Holzwachstum an (z.B. die Entwicklung der Wasserschosser). Je kräftiger der Schnitt erfolgt, um so stärker ist der Auswuchs.

Blütendifferenzierung beeinflusst durch Wärme, Wasser-, Nährstoffangebot:

Obstart Zeitraum der Blütendifferenzierung  
Apfel Erste Julidekade – zweite Augustdekade A 7 – M 8
Aprikose Erste Julidekade – Ende Juli A 7 – E 7
Birne Anfang Juli – Anfang August A 7 – A 8
Pflaume Erste Julidekade – erste Augustdekade A 7 – A 8
Sauerkirsche Ende Juni – Ende Juli E 6 – E 7
Süßkirsche  Ende Juni – zweite Julidekade E 6 – M 7

Am Astring (also dicht am Hauptast) entfernt man die Äste. Dadurch verschließt der Baum die Wunde schnell, sie wird „überwallt“. Wunden über 2cm Durchmesser sind mit Baumwachs zu versiegeln.

Die Wuchsform des Obstbaumes hat wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Gehölzes.

·        Bei der Pyramidenkrone (z.B. Apfel-, Birnenbäume) setzt sich der Stamm als Mitteltrieb fort. Vom Mitteltrieb zweigen im Abstand von 1,0 bis 1.2 m 1 bis 3 Astserien mit 2 bis 4 Leittriebe ab, die im Winkel von 45° aufwärts wachsen. Pyramidenkronen erreichen meist Höhen bis 4 m und müssen z.T. mit der Leiter bearbeitet werden.

·        Hohlkronen haben 3 – 4 Leittriebe aber keinen Mitteltrieb. Das Kroneninnere wird meist gut belichtet. Die Baumhöhe ist variabel. Hohlkronen sind bei Pfirsichen, Aprikosen, u.U. bei Birnen und Sauerkirschen zu empfehlen, nicht aber bei Süßkirschen.

·        Spindelbäume haben eine Mittelachse, keine Leittriebe und erreichen Höhen von ca. 2,0 bis 2.5 m. Die Fruchttriebe wachsen direkt an der Mittelachse bzw. an Zweigstummeln und werden 3 – 4 Jahre alt.

·         Obstbaumhecken (Bäume mit 0,5 - 1,5 m Abstand in einer Reihe) mit einer variablen Länge, einer Höhe bis 2,5 m und einer Breite von 0,8 bis 1m sind eine empfehlenswerte Alternative, erfordern aber eine stete strenge Überwachung. 

·        Säulenbäume werden in den ersten Jahren kaum geschnitten. Entstehen Äste, die weit über den normalen Umfang hinaus ragen, sind sie kürzen. Säulenbäume können auch zur Heckengestaltung genutzt werden.

Nach der Stellung des Astes kann seine Bedeutung und weitere Entwicklung bestimmt werden:

·        Senkrecht nach oben wachsende Äste fördern die Kronenhöhe, behindern die Entwicklung der waagerecht wachsenden Äste, bilden viel Holz, setzen aber wenig bis keine Blütenknospen an.

·         Die waagerecht  bzw. im Winkel von 45° wachsenden Äste bilden die seitliche Kronenauslage. Auf ihnen befinden sich u.U. viele Fruchttriebe. Die sich auf der Astoberseite bildenden Wasserschosser wachsen senkrecht nach oben. Aus ihnen und den mehr waagerecht wachsenden Wasserschossern sind die Fruchtäste der kommenden Jahre auszuwählen.

·        Nach unten geneigte, meist ältere Äste sind durch andere überragende Kronenteile in ihrem Wachstum behindert, entwickeln nur minderwertige Früchte und vergreisen schnell. Sie müssen entfernt und durch andere Äste ersetzt werden. 

·        Die Stellung der Endknospe am Zweig bestimmt u.a. stark die Wuchsrichtung eines Zweiges. Zweige mit einer starken Terminalknospe wachsen fast immer senkrecht nach oben. Befindet sich nach dem Schnitt die Endknospe auf der Unterseite des Astes, so wächst der sich neu bildende Zweig mehr waagerecht aus.

·        An vielen älteren Zweigen bildet sich Quirlholz. Es sind kurze, meist mehrjährige Fruchttriebe, die z.T. viele Blütenknospen enthalten und Früchte tragen. Ältere Quirlholztriebe, die viele minderwertige Früchte tragen, sind zu entfernen.

Durch den Schnitt soll das physiologische Gleichgewichts (gleichmäßiges Wachstum von Zweige u. Wurzeln sowie Fruchtbildung) erreicht bzw. erhalten werden. Angestrebt werden u.a. eine gute Belichtung aller Baumteile, ein Alter der Fruchtäste bis zu 3 Jahren, eine Versorgung eines Apfels durch ca. 20 Blätter und ein Arbeiten am Baum ohne Leiter.

Der Apfelbaum wird meist als Pyramidenkrone gezogen und zeigt auch bis ins hohe Alter eine gute Verjüngung. Die sich bildenden Wassertriebe können oft nicht alle zur Fruchtholzerneuerung genutzt werden. Nicht benötigte Wassertriebe sollten im Juli/August ausgerissen werden. Für die Fruchtasterneuerung benötigte Äste sind zu erhalten und bei zu steiler Stellung durch Klammern bzw. Gewichte in die zu erwartende Stellung zu bringen. Zu lange Äste sind im August bzw. im Frühjahr einzukürzen. Es ist auf eine ausreichende Durchlichtung in den inneren sowie auf eine ausreichende Förderung der unteren Kronenpartien zu achten.

Birnbäume werden in den ersten Jahren oft als Pyramidenkrone gezogen und später zur Hohlkrone umgewandelt. Die Äste wachsen meist sehr stark und steil nach oben. Durch Schnitt und Gewichte erfolgt ein mehr Waagerechtstellen der Äste.

Pflaumen sind  in den ersten Jahren nicht so stark zu schneiden. Der Schnitt regt den Neuwuchs an und verzögert die Blütenbildung. Pflaumen werden oft als Tellerkrone, Hecke oder Spindel gezogen. Dabei sind zu steil wachsende Äste mehr schräge aufrecht zu befestigen (Winkel 45). Die Stammhöhe sollte unter 1m sein. Zweijährige Lang- und Quirltriebe tragen die meisten Früchte.

Süß- und Sauerkirschen werden vor allem nach der Ernte geschnitten. Bei einer zu dichten Krone ist eine Korrektur auch im Frühjahr empfehlenswert. Dabei sollten vor allem Äste entfernt werden, die die Belichtung im Innern behindern. Schattenmorellen entwickeln nur Blütenknospen an Trieben des vergangenen Jahres. Da bei ihnen die Spitzenknospe den Fruchttrieb des kommenden Jahres ausbildet, verlängert sich der Trieb jährlich. Es entstehen im Laufe der Jahre „Peitschentriebe“,  deren Endabschnitte nur schlecht ernährt werden. Die Entwicklung kann verhindert werden, indem im Frühjahr der blühende Zweig gestutzt wird (Spitzenknospe wird entfernt) oder der abgetragene Fruchtzweig entfernt und durch einen anderen ersetzt wird. Der gestutzte Zweig fehlt die Endknospe. Er bildet mehrere neue Triebe. Neuere Sauerkirschsorten bilden an den Gerüstästen viele Triebe, aus denen die Fruchtzweige des kommenden Jahres ausgewählt werden können. Die Kurz- bzw. Quirltriebe an Sauer- und Süßkirschen müssen nach 3 bis 5 Jahren entfernt und durch neue ersetzt werden. 

Pfirsichbäume können ähnlich wie die anderen Obstbäume im Schnitt behandelt werden. Der Schnitt erfolgt vorteilhaft im Frühjahr, wenn die Früchte etwa Haselnussgröße erreicht haben. Dann sind die Fruchttriebe so weit zu kürzen, dass jede Frucht von ca. 25 Blättern ernährt werden kann. Auf eine gute Durchlüftung  bzw. Durchlichtung der Krone ist zu achten, da der Baum leicht von Pilzen befallen wird.

Als Sträucher wachsende Johannis- und Stachelbeeren sind nach der Ernte zu schneiden. Von den im Jahr neu gewachsenen Triebe sind die 2 bis 3 gut gewachsenen und gleichmäßig im Strauch verteilten Zweige zu erhalten. Sie bilden mit den je 3 bis 4 zwei- bzw. dreijährigen Trieben das Grundgerüst des Strauches. Ein Strauch besteht demnach aus 8 bis 12 Trieben unterschiedlicher Jahrgänge, die gleichmäßig verteilt sind und jeweils eine ausreichende Belichtung erhalten. Das Alter der Zweige ist u.a. an der dunklen, graubraunen Rinde und an den Jahresabsätzen zu erkennen.