Eisenhaber,
Friedrich
Dresden, im August 2008
Die modernen ertragreichen Erdbeersorten
sind Anfang des 18. Jahrhunderts aus Kreuzungen einer nord- und
südamerikanischen entstanden und dann mit weiteren Wild- und
Zuchtsorten veredelt worden. Heute existieren einige
Hundert ertragreiche Erdbeersorten. Gute Erdbeersorten bringen
Erträge bis zu 500 g je Pflanze und Jahr.
Anbau: Die Erdbeeren verlangen einen
humosen Boden mit einem pH-Wert von 6 bis 7 und eine Niederschlag
von 600 bis 700 mm/Jahr. Bei nicht ausreichenden Niederschlägen
erhöhen Wassergaben vor der Blüte und der Fruchtbildung den
Ertrag erheblich. Erdbeeren haben ihre Hauptwurzeln in Tiefen bis
zu 25 cm. Aus dem Grunde ist ein sehr flaches Hacken
erforderlich.
Pflanzung im Herbst: Die Erdbeeren
können im Kleingarten in ein- bis dreijähriger Kultur angebaut
werden. Bei einjähriger Kultur (Pflanzweite 30x20 cm) oder bei
Neuanpflanzungen sollten nur gut entwickelte Pflanzen mit 3 bis 5
Blättern bis Ende Juli Anfang August eingesetzt werden. Die
Pflanzen können sich dann ausreichend entwickeln und bei
Tageslängen unter 13 Stunden und Temperaturen unter 17°C in den
Monaten September/Oktober die Blüten für das kommende Jahr
ansetzen. Beim Pflanzen darf sich das Setzlingsherz nicht
unterhalb der Bodenoberfläche befinden. Um die Entwicklung der
Pflanzen zu fördern, sollten sie nach dem Anwachsen im August
ausreichend gedüngt (ca. 50 g/m² Volldünger oder speziellen
Beerendünger) und bei geringer Regenmenge gewässert werden.
Sich bildende Ranken sind mehrfach zu entfernen. Günstige
Vorkulturen sind Zwiebeln, Salat, Porree, Tulpen, Dill,
Ringelblumen und einige andere früh räumende Pflanzen.
Keine guten Vorkulturen sind u.a. Erbsen, Bohnen und Kartoffeln.
Sie können z.T. Wurzelfäule (Pilze) und Wurzelnematoden
(Älchen) übertragen.
Einjährige Erdbeeren im Herbst: Nach
Abschluss der Fruchternte können durch das Abschneiden der
Blätter bis auf 5 cm viele Krankheitserreger entfernt bzw. stark
gemindert werden. Die Erdbeerpflanzen werden besonders bei
Düngung (z.B. ca. 50 g/m² Volldünger oder speziellen
Beerendünger) zum neuen Wachstum und zur Entwicklung der
Blütenknospen für das kommende Jahr angeregt. Da sich die
Einzelpflanzen auf der Grundlage des vorhandenen Pflanzenkörpers
kompakter entwickeln können, müssen jetzt größere Abstände
gewählt sein (z.B. jede zweite Pflanze in der Reihe entfernen).
Erdbeeren im Frühjahr: Im Frühjahr
ist das Entfernen der angewelkten bzw. beschädigten Blätter
sehr zu empfehlen. Damit wird vielen Krankheiten vorgebeugt. Eine
Düngung (besonders mit Stickstoff) fördert in vielen Fällen
das Blattwachstum, verringert das Abtrocknen der Früchte und
erhöht nicht oder nur wenig den Ertrag. Das Aufbringen von Mulch
nach den Eisheiligen schützt die Früchte vor Mehltau. Damit
werden die reifenden Früchte vor Verschmutzungen geschützt und
trocknen schneller ab. Das Auftragen von Mulch im Herbst kann
u.U. die Frosthärte der Erdbeeren verringern.
Krankheiten bzw. Beschädigungen:
Die reifende Frucht ist verwachsen: Die Beschädigungen der Blüte bzw. der grünen Frucht können durch Hagel oder Milben bzw. durch Frost entstehen. Die Früchte erreichen nicht einen vollmundigen Geschmack.
Die Pflanzen kümmern im Frühjahr, haben
z.T. verkleinerte Blätter und bilden nur kleine Früchte aus.
Ausgerissene Pflanzen zeigen schwärzliche, z.T. zerstörte
Hauptwurzeln. Die Pflanzen sind von Pilzen, Bakterien oder
Bodennematoden befallen. In Verbindung mit schlechter
Bodenstruktur und häufigem Bepflanzen der Fläche mit Erdbeeren
können sich die Schwarze Wurzelfäule oder die Rote
Wurzelfäule entwickeln. Auf den betreffenden Flächen
sollten in den nächsten 3 Jahren keine oder nur sehr robuste
Sorten angebaut werden (z.B. Florika, Thuriga, Symphonie).
Wenn die Pflanzen kümmern, junge Blätter
verkrüppelt sind und ältere Blätter sich kräuseln, dann haben
sich Erdbeermilben angesiedelt. Die Milben können auch
auf andere Zierpflanzen zu finden sein und werden durch
Gartengeräte, Kleidung u.a. mehr übertragen werden. Befallene
Pflanzen sind zu vernichten. Mischkulturen mit Lauch oder
Knoblauch verringern die Ansiedlung erheblich. Günstig sind auch
Spritzungen mit Knoblauch-, Zwiebel- oder Rainfarntee zur
Stärkung der nicht befallenen Pflanzen.
Der Grauschimmel infiziert die Blüte
besonders in Jahren mit viel Regen. In den reifenden Früchten
breitet sich der Pilz aus. Günstig sind dann lichte Bestände,
die schnell abtrocknen. Zwischenkulturen von Knoblauch verringern
den Befall etwas. Auch die Frucht- oder Lederfäule
ist häufiger an reifenden Erdbeeren zu finden. Die Pilzsporen
befinden sich im Boden. Sie gelangen durch Spritzwasser auf die
Früchte. Mulch lässt die Früchte schneller abtrocknen.
Gleichzeitig wird dadurch das Aufspritzen des Wassers verringert.
In mehrjährigen Beständen überzieht der Erdbeermehltau
wenn die Blätter bevorzugt die Blattunterseiten mit einem
weißlichen Belag längere Zeit nicht abtrocknen. Wichtig sind
dann der Anbau von robusten Sorten, weite Pflanzabstände und
verhaltene Düngung.
Die Weißfleckenkrankheit tritt in
feuchten Jahren verstärkt auf. Sie zeigt sich als runde,
braunrote Flecken mit weißem Zentrum. Ertragsmindernd kann sie
in mehrjährigen Beständen sein.
Erdbeerwiesen werden als Bodendecker
mit einem hohen Anschauungswert und einem guten Ertrag im
Kleingarten nur gering angelegt. Die Pflanzen können 6 bis 8
Jahre stehen, brauchen wenig Düngung und Pflege. Die Sorte Florika
bringt Erträge von 2 3 kg/m². Die Blätter sind bei
dieser Sorte nach dem Erntende auf 5 cm Höhe zu entfernen. Die
neue Sorte Evita aus Großbritannien bildet bis zum Herbst
kontinuierlich Blüten und Früchte. Die Früchte sind groß,
fest und gut im Geschmack.
Empfehlenswerte Sorten:
Elsanta: Die Sorte bringt bei gutem
Boden einen hohen, mittelfrühen Ertrag. Im Handel ist die Sorte
stark vertreten. Wegen der hohen Krankheitsanfälligkeit ist sie
für den Eigenanbau wenig geeignet.
Korona: Die mittelgroßen,
kegelförmigen Früchte haben ein orangerotes, mittelfestes
Fruchtfleisch, das geschmacklich nicht immer überzeugt. Die
Erträge sind mittelfrüh und hoch. Die Pflanzengesundheit ist
nicht immer überzeugend.
Die Erdbeersorte Mieze Schindler ist
1925 in Dresden gezüchtet worden und besitzt mittelgroße,
glänzende Früchte mit sehr weichem Fleisch und intensives
Aroma. Da sie nur weibliche Blüten bildet, muss eine
Befruchtersorte vorhanden sein. Bei einem nicht zu hohen Ertrag
ist sie für Fäulnis stark anfällig. Sie ist im Hobbyanbau und
zum Erhalt alter Sorten vertreten.
Polka: Die mittelfrühe Sorte mit
einem gutem Geschmack bringt mittelgroße bis kleine Früchte,
die nur wenig haltbar sind. Die Pflanze ist robust und hat einen
hohen Ertrag.
Die Sorte Senga Sengana kam 1952 in
den Handel. Sie bildet kleine, rundliche, purpurrote Früchte mit
kräftig rotem, gut schmeckendem Fruchtfleisch. Die Früchte
werden im Laufe der Reifezeit immer kleiner. Nach später Blüte
reifen die Früchte mittelfrüh. Der Ertrag ist gut. Die
Früchte sind für die Tiefkühlung und zum Einwecken geeignet.
Die Pflanze wächst z.T. sehr dicht, ist anfällig für
Grauschimmel und sollte vor allem einjährig angebaut werden.
Die Sorte Tenira hat ein mittelgroße
Frucht, die gleichmäßig geformt ist und rot leuchtet. Das
Fruchtinnere sieht orange aus. Bei mittelfrüher Reife ist der
Ertag gut. Die robuste Pflanze hat ein ansprechendes Aussehen und
bringt attraktive Früchte hervor.
Einladung:
Am Sonnabend, dem 13. September,
findet in der Zeit von 9.00 bis 12.00 Uhr in der
Fachschule für Gartenbau, Söbrigener Straße, 01326 Dresden
(Pillnitz) ein Vortrag über Obstsorten im Kleingarten
statt. Vortragender ist Herr Großmann.